Jugendrat für Ausweitung des Nachtbusnetzes in Ratingen

Ratingen. Wer in Ratingen nachts unterwegs sein will, braucht entweder ein Taxi oder einen eigenen fahrbaren Untersatz. In der Stadt mit ihren mehr als 90.000 Einwohnern werden um Mitternacht nicht nur die Bürgersteige hochgeklappt, auch der öffentliche Nahverkehr legt eine Pause ein. Die sogenannte DiscoLinie (DL1) der Rheinbahn dreht eine letzte Runde vom Ostbahnhof über Mitte, West, Tiefenbroich, Lintorf und Breitscheid bis Hösel. Dort ist dann um Viertel vor eins Schicht – Fahrzeit: satte 50 Minuten. Nur an Wochenenden fährt die DL1 zu späterer Stunde noch zwei Extratouren durchs Stadtgebiet. Homberg steht dabei nicht auf dem Plan.

Aus Sicht des Ratinger Jugendrates ist das nächtliche ÖPNV-Angebot völlig unzureichend. Da junge Menschen in der Regel kein eigenes Auto haben und sich auch kein Taxi leisten können, sei insbesondere nachts „nur eine eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Ratingen und in Düsseldorf möglich“, formuliert es der Jugendrat in seinem aktuellen Antrag an den Stadtrat: Alle Ratinger Stadtteile sollten deshalb von mittwochs bis samstags in den Nächten im Stundentakt erreichbar sein.

Die Jugendvertreter sind in dieser Sache aktiv geworden und haben ihren Vorschlag mit der Verwaltung beraten – mit erstaunlichem Ergebnis. Mit zwei zusätzlichen Bussen könnte nach einer ersten Einschätzung ein stündliches Angebot realisiert werden, das alle Stadtteile abdeckt – auch Homberg. Ein städtischer Verkehrsplaner entwarf zusammen mit den jungen Leuten ein mögliches Nachtbusnetz mit zwei Schwerpunkten: Heimreise nach Ratingen aus umliegenden Städten einerseits, Mobilität in Ratingen zwischen den Stadtteilen andererseits.

Darüber hinaus gebe es sogar einen Zusatznutzen: Durch die Anbindung an den Flughafenbahnhof profitieren auch Reisende, die spätabends in Düsseldorf und Köln/Bonn landen oder mit den Regionalzügen aus dem Ruhrgebiet kommen. Jeder Ratinger Stadtteil soll dabei stündlich erreichbar sein und die Touren der Nachtbusse auf ihren Rundkursen sollten maximal eine Stunde dauern. Das Angebot käme somit nicht nur Jugendlichen, sondern allen Ratingern, die noch spät unterwegs sein müssen, zugute.

Der erste Fahrplanentwurf für das Nachtbusangebot sieht drei Linienführungen vor: Ein Bus könnte in Ratingen-Ost starten und über Mitte und Volkardeyer Straße den Flughafenbahnhof anfahren, wo etliche Züge aus umliegenden Großstädten meist um jede volle Stunde herum ankommen. Teile von Ratingen-West können von den Haltestellen entlang der Volkardeyer Straße erreicht werden. Nach dem Stopp am Flughafenbahnhof würde der Bus Ratingen-West und Tiefenbroich erschließen und über Mitte zurück zum Ost-Bahnhof fahren.

In Mitte könnte auf eine zweite Linie umgestiegen werden, die über Eggerscheidt die nördlichen Stadtteile anfährt – also eine kürzere Variante der jetzigen DL1. In Lintorf wäre das Jugendzentrum Manege angebunden. Über den Blyth-Valley-Ring geht es zurück Richtung Ratingen-Mitte, wo Anschluss in Richtung Ost bestünde.

In Mitte könnte zudem auf die dritte Linie umgestiegen werden, mit der das viel gewünschte Angebot nach und von Homberg realisiert werden könnte. Diese Linie würde die Wohngebiete in Süd und Ost erschließen und dann nach Homberg fahren und von dort über Ost direkt nach Mitte zurück.

Eine Verdichtung auf einen Halbstundentakt oder die Befahrung der Schleifen der westlich und nördlich orientierten Linie in beide Richtungen würde weitere Fahrtbeziehungen mit guten Umstiegszeiten ermöglichen. Claus Köster, Mitglied im Jugendrat, ergänzt: „Bei Events oder Großveranstaltungen könnten die Busse zusätzliche Runden drehen“.

Der Jugendrat ist von dem Beratungsergebnis begeistert und empfiehlt deshalb dem Stadtrat zu beschließen, dass ein geeignetes Planungsbüro zeitnah einen Fahrplanentwurf für ein nächtliches ÖPNV-Angebot erarbeiten soll. Auf dessen Grundlage sollen dann die Kosten für einen einjährigen Probebetrieb ermittelt werden.

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