Grüne: Verkehrswende wirklich wollen statt Kosmetik

Die grüne Fraktion hat sich die Verkehrswende seit Jahren auf die Fahnen geschrieben: mehr Platz für den Fußverkehr, bessere Bedingungen für den Radverkehr, Carsharing und Elektroladestationen statt immer mehr subventionierte Parkplätze in der Innenstadt und als zentrale Säule des Umweltverbundes die umfassende Attraktivierung des ÖPNV. Dieser hat nicht nur die bessere CO2-Bilanz, sondern bringt auch im Mittel mehr Umsatz pro Kunde und Jahr, nämlich 598,00€ statt 477,00€, wie eine Studie aus 2019 belegt.

„Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Einführung des Jobtickets in der Stadtverwaltung, und hoffen dass dieses Beispiel Schule macht bei den Ratinger Unternehmen“, freut sich Christian Otto, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen. Damit mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen, müssen Angebot und Zuverlässigkeit, Nutzungsfreundlichkeit und Zugänglichkeit, Komfort und Preis-Leistungsverhältnis stimmen.

„Das Angebot ist schon seit Jahren nicht verbessert worden“, so Edeltraud Bell, sachkundige Bürgerin im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss. Bei der Ausweitung des Rheinbahnangebots 2020 ist Ratingen absolutes Schlusslicht, lediglich 6.000 Buskilometer kommen dazu durch die Taktverdichtung der U72 am Samstag. Beim Ausbau Schnellbuskonzept ist Ratingen nicht berücksichtigt worden, obwohl es für den SB 55 Lintorf – Düsseldorf samstags nur ein Angebot bis 16 Uhr gibt und sonntags gar keins und es dringenden Bedarf für eine Schnellbuslinie Breitscheid – Lintorf – Tiefenbroich – Flughafenfernbahnhof gibt. Auch ein Schnellbus zwischen den Bahnhöfen Ratingen-Ost und Flughafenfernbahnhof ohne Umweg durch West würde das Angebot deutlich verbessern.

„Zu einem attraktiven Angebot gehört ein dichter und regelmäßiger Takt“, so Christian Otto weiter. „Nach 19 Uhr kann man von der Innenstadt und dem Bahnhof Ost nur noch im Stundentakt in einige Stadtteile kommen. Zudem sind die Abfahrtzeiten oft denkbar schlecht aufeinander abgestimmt, der Bus fährt z.B. 5 Minuten vor der Ankunftszeit der S-Bahn aus Düsseldorf ab und man muss fast eine halbe Stunde oder gar eine Stunde warten.“ Daher haben die Grünen einen Antrag auf Taktverdichtung in den Abendstunden gestellt, dem sich die anderen Fraktionen im AK ÖPNV angeschlossen haben. „Aber die Umsetzung dauert viel zu lang“, bedauert Edeltraud Bell.

Die Grünen sprechen sich nicht gegen die Bemühungen der CDU aus, den VRR zu einer kundenfreundlichen Überarbeitung des Tarifsystems zu bewegen, um den Preissprung zwischen Ratingen und der Düsseldorfer Innenstadt abzumildern. „Aber ein kostengünstigerer ÖPNV mit niederschwelligem Zugang muss grundsätzlicher angegangen werden,“ so Otto, „das Problem der Tarifübergänge stellt sich an allen Gemeindegrenzen. Das Tarifsystem ist unnötig kompliziert und muss radikal revolutioniert werden durch einfachere Systeme wie ein 2€-Ticket innerhalb der Gemeinde und 4€ außerhalb, wie es im VRR zur Zeit diskutiert wird.“ Daneben gibt es das Modell des 365€-Ticket oder die Einführung eines solidarischen Bürgertickets, das die BürgerInnen mit einer Mobilitätsabgabe finanzieren und dann fahrscheinlos unbegrenzt mit Bus und Bahn fahren können. „Eine Verbilligung des ÖPNV in den politischen Gremien auf die Tagesordnung zu setzen, haben wir schon seit 2 Jahren beantragt. Leider ist diese grundlegende Diskussion immer wieder verschoben worden“, so Bell. „Politik und Verwaltung müssen sich positionieren und Druck machen, sonst findet der Umstieg auf Bus und Bahn nicht statt.“

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