Vorstoß der SPD-Fraktion zu „Housing First“ einstimmig im Rat beschlossen

Ratingen. Im Rat am 10.02.2026 stand unter dem etwas sperrigen Titel „Konzeptionelle Weiterentwicklung der Beratung von Menschen in den Obdachlosenunterkünften“ eine umfangreiche Vorlage auf der Tagesordnung, die beschreibet, wie die Situation wohnungsloser Menschen in Ratingen verbessert werden soll.

„Hintergrund war ein Vorstoß der SPD-Fraktion in der Sitzung des Sozialausschusses am 21. 09.2023“, führt dazu Christian Wiglow, SPD-Fraktionsvorsitzender und Sozialausschussvorsitzender, aus. Dort hatte der zuständige Fachverband SkF über das Angebot der Wohnungslosenhilfe in Ratingen berichtet mit einem Fokus auf Verbesserungspotenziale.

„Das Thema der Sicherheit in den Unterkünften wie auch der Unterhaltungszustand waren dabei Hauptthemen“, ergänzt Rosa-Maria Kaleja, Sprecherin der SPD im Sozialausschuss.

Der Sozialausschuss fasst daraufhin einen umfangreichen Beschluss u.a. zur Verbesserung der subjektiven und objektiven Sicherheit in den Unterkünften z.B. durch den Einsatz Dritter sowie durch Ordnungspartnerschaften mit der Polizei, wie der bestehende Unterhaltungs- und Renovierungsstau beseitigt werden kann, um die Unterkünfte auch zu 100 % nutzen zu können. Zudem wollte die Politik eine Darstellung, wie das System der Unterkünfte durch Binnendifferenzierung wie „Obdach plus“ in Düsseldorf optimiert werden kann und welche Angebote vorhanden sind zum Beispiel in Form präventiver Ansätze oder Vermittlung in Normalwohnraum.

Mit der nun beschlossenen Vorlage erfolgt aus Sicht der SPD-Fraktion ein großer Schritt in Richtung einer dringend erforderlichen Verbesserung der Situation in den städtischen Obdächern, wenn alle Maßnahmen denn auch so umgesetzt werden.

„Allerdings wird ein Grundproblem nicht gelöst und kann durch eine Optimierung der Unterkünfte auch nicht gelöst werden, nämlich fehlender bezahlbarer Wohnraum“, meint Christian Wiglow.

Dadurch werden für viel zu viele Menschen die als Übergangslösung in einer konkreten Notsituation der Wohnungslosigkeit gedachten Unterkünfte zu einer Dauerunterbringung ohne reale Perspektive mit allen damit verbundenen Problemen. In den Obdächern “wohnen“ dann Menschen, die ohne weiteres in einer regulären Mietwohnung leben könnten zusammen mit solchen, die aufgrund manifester Sucht- und/oder psychischer Probleme nicht mietfähig sind oder auch werden können.

Zudem stockt der Abfluss aus den Obdächern und die Belegung wird verdichtet mit dem Problemlagen, die im Bericht im Sozialausschuss im September 2023 zu den Hauptkritikpunkten führten. „Daher ist und bleibt der Schlüssel zur Verbesserung die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum“, führt Rosa-Maria Kaleja dazu aus.

„Der Rat hat in den vergangenen Jahren viele richtige und wegweisende Entscheidungen getroffen. Leider bleibt die Umsetzung durch die Verwaltung häufig hinter den Erwartungen zurück“, erklärt Christian Wiglow. „Das muss nun besser werden“.

Neben dieser maßgeblichen Stellschraube des Wohnungsbaus möchte die SPD-Fraktion noch einen weiteren Weg beschreiten und wird dazu einen entsprechenden Antrag stellen. „Housing First“ ist aus Sicht der Fraktion ein guter und zielführender Ansatz, in der Obdachlosenarbeit neue Wege zu gehen.

„Housing First“ ist ein international erprobter Ansatz zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit, der Obdachlose direkt in eigenen Wohnungen unterbringt, anstatt sie durch stufenweise Programme in Obdächern zu schicken. Der Fokus liegt auf der Bereitstellung von stabilem Wohnraum als Grundlage für die Selbstbestimmung, wobei begleitende, flexible und bedürfnisorientierte Hilfen (z.B. bei Sucht, Gesundheit, Arbeit) bedarfsgerecht angeboten werden, aber nicht zur Bedingung für den Wohnungserhalt gemacht werden. Dieser Ansatz überwindet den traditionellen „Stufensystem“-Ansatz, der oft zu Rückfällen führt, und hat hohe Erfolgsquoten für die langfristige Wohnstabilität.

„Dabei kann die Landeshauptstadt Düsseldorf hier als sehr gutes Beispiel dienen“, so Christian Wiglow. Der im Jahr 2021 gegründete und von der Landeshauptstadt Düsseldorf geförderte Housing First Düsseldorf e. V. setzt mit Synergien aus Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialarbeit und privatem Engagement an, Obdachlose in Wohnungen zu bringen. Der alte und neue OB Dr. Stephan Keller hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben und fungiert als Schirmherr (https://housingfirstduesseldorf.de/verein/)

Die SPD-Fraktion hat beantragt darzustellen, wie und zu welchen Rahmenbedingungen in Ratingen auch ein Modellprojekt „Housing Forst“ aufgelegt werden kann. Dazu sollen auch bestehende Strukturen zur Wohnraumvermittlung wie durch das Programm „NRW – endlich ein Zuhause“ m it einbezogen werden.

Sozialpolitisch wie auch kostentechnisch ist die Unterbringung in Normalwohnraum günstiger als in einer Obdachlosenunterkunft ist die SPD-Fraktion sich sicher.

Daher freut sich die SPD-Fraktion, dass der Rat den Prüfauftrag einstimmig beschlossen hat. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

„Warum sollen wir in Ratingen nicht schaffen, was in Düsseldorf funktioniert“, ist sich Christian Wiglow sicher, „wir haben mit dem SKF einen sehr guten Akteur, der schon jetzt erfolgreich das Programm „NRW – endlich ein Zuhause“ umsetzt.