Ratingen. Mit großem Bedauern reagiert die SPD-Fraktion auf die Ablehnung ihres Antrags zur Entwicklungsperspektive der Freifläche an der Ecke Wilhelmring/Calor-Emag-Straße im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz, Klimafolgeanpassung und Mobilität am 2. Juli 2026. Nachdem der Bezirksausschuss Mitte dem Antrag zuvor noch mehrheitlich zugestimmt hatte, fand er im Fachausschuss keine Mehrheit.
Mit dem Antrag wollte die SPD die Verwaltung beauftragen, aufzuzeigen, wie auf der seit Jahren ungenutzten Fläche – auch unter Nutzung der Möglichkeiten des sogenannten „Bauturbos“ (§ 246e BauGB) – die planungsrechtlichen Voraussetzungen für öffentlich geförderten Geschosswohnungsbau geschaffen werden könnten und mit welchen Akteuren eine Umsetzung möglich wäre.
Die SPD hatte sich bereits in den vergangenen Jahren mehrfach für eine Wohnbebauung auf der zentral gelegenen Fläche eingesetzt. Aus Sicht der Sozialdemokraten eignet sich der Standort aufgrund der vorhandenen Infrastruktur, der Nahversorgung und der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hervorragend für den Bau bezahlbarer Wohnungen.
„Wir können nicht nachvollziehen, warum eine ergebnisoffene Prüfung dieser Fläche für den dringend benötigten Wohnungsbau abgelehnt wurde. Es ging ausdrücklich nicht um einen Baubeschluss, sondern darum, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Angesichts der angespannten Wohnungssituation ist das ein völlig unverständliches Signal“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Wiglow.
Für zusätzliche Empörung sorgt eine Einschätzung der Verwaltung im Bezirksausschuss: Dort wurde behauptet, auf der Fläche am Wilhelmring lasse sich kein „gesundes Wohnverhältnis“ darstellen. Diese Aussage stößt bei der SPD auf deutliche Kritik.
„Diese Einschätzung ist ein Schlag ins Gesicht für alle Anwohnerinnen und Anwohner im innerstädtischen Verkehrsring“, so Christian Wiglow. „Wer hier lebt, arbeitet und seinen Alltag gestaltet, dem wird damit indirekt abgesprochen, unter gesunden Bedingungen zu wohnen. Das ist weder sachgerecht noch akzeptabel. Gerade deshalb wäre eine vertiefte Prüfung wichtig gewesen, um Lösungen zu entwickeln, anstatt pauschal abzulehnen.“
Besonders im Bereich des öffentlich geförderten Wohnungsbaus sieht die SPD erheblichen Handlungsbedarf. Die Nachverdichtung bereits erschlossener innerstädtischer Flächen sei ein wichtiger Baustein, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne weitere Freiflächen am Stadtrand in Anspruch nehmen zu müssen.
Der sachkundige Bürger Gero Aschenbroich betont: „Die Fläche am Wilhelmring bietet ideale Voraussetzungen für modernen Geschosswohnungsbau. Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten und der öffentliche Nahverkehr sind bereits vorhanden. Eine Wohnbebauung würde sich städtebaulich sinnvoll in die Umgebung einfügen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Schaffung dringend benötigter Sozialwohnungen leisten. Dass diese Chance nun nicht einmal näher geprüft werden soll, ist eine vertane Gelegenheit.“
Nach Auffassung der SPD eröffnet der seit Ende Oktober 2025 geltende sogenannte „Bauturbo“ des Bundes den Kommunen neue Möglichkeiten, Wohnungsbauprojekte deutlich schneller umzusetzen. Genehmigungsverfahren können beschleunigt und planungsrechtliche Hürden reduziert werden. Gerade deshalb hätte die Stadt Ratingen diese Möglichkeiten nach Ansicht der Sozialdemokraten zumindest sorgfältig prüfen sollen.
„Der Bund hat den Kommunen mit dem Bauturbo ein wirksames Instrument an die Hand gegeben, um den Wohnungsbau zu beschleunigen. Wer gleichzeitig über fehlenden bezahlbaren Wohnraum klagt, sollte diese Chancen nicht ungenutzt lassen. Die Ablehnung unseres Antrags ist deshalb ein falsches Signal für alle Menschen, die in Ratingen dringend eine bezahlbare Wohnung suchen“, sagt Pat Faßbender-Kreß, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ratingen.
Die SPD weist darauf hin, dass die Freifläche am Wilhelmring seit Jahren immer wieder mit unterschiedlichen Ideen – von einer Hochschule bis hin zu einem Kino – verbunden wurde, ohne dass eines dieser Vorhaben umgesetzt worden ist. Gerade deshalb wäre es aus Sicht der SPD sinnvoll gewesen, die Möglichkeiten für öffentlich geförderten Wohnungsbau unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen ergebnisoffen zu untersuchen.
„Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass innerstädtische Potenzialflächen für bezahlbaren Wohnraum genutzt werden. Ratingen braucht keine weiteren Jahre des Stillstands, sondern konkrete Perspektiven für Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchen“, so Wiglow abschließend.

