Ratingen. In die Entwicklung der südlichen Innenstadt im Bereich der Wallstraße kommt wieder Bewegung. Am 13. Oktober beschloss der Rat der Stadt, unter dem Brachgelände neben den Wallhöfen eine öffentliche Tiefgarage mit 216 Stellplätzen zu bauen – unter der Voraussetzung, dass bis zum 31. Dezember 2026 ein Zuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro seitens eines neuen Investors für die Wallhöfe bei der Stadt eingegangen oder sichergestellt ist, dass dieser Betrag entsprechend vertraglich abgesichert ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wird ab 2027 dennoch gebaut, nämlich am beschlossenen Mehrgenerationenpark und der anschließenden Umgestaltung der Wallstraße. Dann aber ohne Tiefgarage.
Die Entwicklung der südlichen Innenstadt steht seit einigen Jahren aus mehreren Gründen still. Ein Grund ist die Insolvenz der Firma Tecklenburg, welche die Wallhöfe gebaut hat. In dem Wohn-/Geschäftskomplex stehen größere Ladenflächen noch leer. Ein zweiter wesentlicher Grund für den Stillstand: Der Rat der Stadt hatte den beschlossenen Bau der öffentlichen Tiefgarage an der Wallstraße während des Planungsprozesses wegen unsicherer Perspektiven vor zwei Jahren ausgesetzt. Geprüft werden sollte die Möglichkeit eines alternativen Investorenmodells für den Bau der Tiefgaragenerweiterung, um die wirtschaftliche Belastung abzufedern.
Dieses scheint nun gefunden. Ein örtliches Unternehmen möchte die Wallhöfe übernehmen und ist bereit, sich an der Finanzierung der Tiefgarage zu beteiligen. Die Bewohner der Wallhöfe würden profitieren, weil sie Dauerstellplätze in der Nähe ihrer Wohnungen anmieten könnten. Unter den Wallhöfen gibt es zwar auch eine Tiefgarage, doch nur auf einer Ebene. Im ersten Untergeschoss waren seinerzeit aufgrund einer Auflage der Stadt Ratingen Geschäftsflächen geplant worden.
Bürgermeister Patrick Anders sagt: „Ich bin froh und dankbar, dass sich ein Unternehmen gefunden hat, das bereit ist, sich hier mit neuem Schwung einzubringen, und dass wir diese letzte Chance bekommen haben, dieses eminent wichtige Projekt für unsere Innenstadt zu einem guten Ende zu bringen. Ich kann nur hoffen, dass bis Jahresende die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass wir mit den Arbeiten loslegen können. Der Rat hat seinen Beitrag jetzt geleistet.“
Die Zeit ist knapp wegen der weiteren Projekte, die unmittelbar mit der Tiefgarage zusammenhängen. In der ehemaligen Stadtgrabenzone südlich der Wallstraße, dort, wo bis vor einigen Jahren noch zunehmend schiefe Häuser den Straßenrand säumten, soll auf jeden Fall ein Park entstehen – entweder auf dem Deckel der Tiefgarage oder ohne Tiefgarage. Anschließend soll die Wallstraße umgebaut und verschönert werden. Für beide Projekte wurden der Stadt Städtebaufördermittel in einer Gesamthöhe von knapp sieben Millionen Euro bewilligt. Diese würden ganz oder teilweise verfallen, wenn die Projekte nicht bis Ende 2030 fertiggestellt sind, die Stadt müsste im schlimmsten Fall Geld zurückzahlen.
Deshalb muss bis Ende des Jahres die Übernahme der Wallhöfe durch den Investor und die Zahlung des Zuschusses unter Dach und Fach sein, damit dann die Aushubarbeiten für die Tiefgarage zügig beginnen können. Sonst ist der Zeitplan nicht mehr einzuhalten.
Die kalkulierten Brutto-Gesamtkosten für die Tiefgarage belaufen sich auf rund 19,5 Millionen Euro. Abzüglich Zahlungen für die Ablösung von Stellplätzen, des zugesagten Zuschusses durch den Investor sowie Vorsteuerabzugsberechtigung verbleiben rund 13,2 Millionen Euro netto für die Stadt, von denen aber rund 1,5 Millionen für Planungsleistungen bereits ausgegeben sind. Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit der Tiefgarage ist zu berücksichtigen, dass die Stadt hier durch Parkentgelte regelmäßige Einnahmen haben wird.
Mit einer starken Auslastung der Tiefgarage kann sicher gerechnet werden. Die Nachfrage nach Dauerstellplätzen im Bereich der Innenstadt ist jetzt schon groß, die 216 voll elektrifizierten Stellplätze schaffen ein attraktives Angebot. Die Ladeinfrastruktur für E-Autos in Ratingen kann durch dieses Projekt insgesamt signifikant verbessert werden. Zudem kann das 2. Untergeschoss der neuen Tiefgarage mit geringen Anpassungen die Funktion eines Schutzraums übernehmen.
Bürgermeister Anders resümiert: „Dieses zentrale Projekt vereinigt in sich mehrere große Vorteile für unsere öffentliche Infrastruktur. Hinzu kommt, dass andere Park-Garagen in der Innenstadt ein kritisches Alter erreicht haben und mindestens mittelfristig saniert bzw. erneuert werden müssten. Auch vor diesem Hintergrund ist die Investition sowohl lohnend als auch einfach notwendig.“

