Jugendrat setzt sich für Streetwork und Jugendberatungsstellen ein

Ratingen. Haushalts- und Stellenplan durchackern – das ist eigentlich Kommunalpolitik für Fortgeschrittene. Wenn schon gestandene Lokalpolitiker ihre Schwierigkeiten haben, sich im umfangreichen Zahlen- und Tabellenwerk zurechtzufinden, wie viel schwerer fällt es dann den jungen Leuten im Jugendrat. Sie haben ihre bald endende Amtszeit nicht gemütlich ausklingen lassen, sondern sich auf den letzten Metern auch in diese sperrige Thematik eingearbeitet. Und waren entsetzt, als sie bei einer der beiden Streetworker-Stellen einen „k.w.“-Vermerk entdeckten. Das Kürzel bedeutet im Verwaltungsjargon: künftig wegfallend. Dass eine Stadt der Größe Ratingens gerade mal zwei Streetworker beschäftigt, kann schon diskutiert werden. Dass eine Stelle davon seit einem halben Jahr wegen Renteneintritts unbesetzt ist und zudem noch gestrichen werden soll, ist aus Sicht des Jugendrates überhaupt nicht nachvollziehbar. Folgerichtig beschlossen die Mitglieder in der letzten Sitzung ihrer Amtszeit, dass die Verwaltung den k.w.-Vermerk aufheben und die Stelle schnellstmöglich wieder besetzen möge.

„Die Streetworker erreichen Jugendliche, welche sonst nicht so ohne weiteres Kontakt zu bestehenden Anlaufstellen, Jugendzentren oder Beratungsstellen aufnehmen würden. Vor allem Jugendliche, die größere Probleme in ihrem sozialen Umfeld haben, kennen oftmals die Unterstützungsmöglichkeiten nicht oder trauen sich nicht, an eine solche Stelle heranzutreten“, heißt es in der Begründung des Jugendrates. Als Gesprächspartner haben Streetworker gerade in Krisenzeiten oder Konfliktsituationen einen ganz anderen Zugang zu Jugendlichen. Und Konfliktpotenzial gibt es öfter, gerade an heiklen Treffpunkten wie Busbahnhof, Tiefgarage und Park der Stadthalle sowie die Schulhöfe des Innenstadtgymnasiums und Lintorfer Schulzentrums. Alkohol- und Drogenkonsum, Streit und Pöbeleien führen immer wieder zu Einsätzen von Ordnungsdienst und Polizei. „Damit werden die Probleme nur verlagert, aber nicht gelöst“, sagt Orion Raunig vom Jugendrat. Streetworker sprechen dagegen die Jugendlichen an, bauen Vertrauen auf und bieten Unterstützung an. „Daraus ergeben sich echte Perspektiven, was auf längere Sicht viel effektiver ist.“

Um aktive Hilfe für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen ging es auch in einem weiteren Beschluss des Jugendrates: In dem Förderprogramm „Jugend stärken im Quartier“ werden junge Menschen im Übergang von Schule und Beruf von der Diakonie unterstützt. Bei einem Folgeprojekt soll allerdings der Fokus jetzt verschoben werden auf wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Jugendliche. Der Jugendrat unterstützt dies, will aber auch, dass das erste Förderprogramm erhalten bleibt. Es habe sich als eines der wichtigsten und vielfach nachgefragten Unterstützungsangebote für hilfesuchende Jugendliche erwiesen. Im Hinblick auf die erfolgreich aufgebauten Strukturen wäre ein Wegfall ein „großer Verlust für das Angebotsspektrum der Jugendhilfe in Ratingen“, begründet Hannah Gebhardt vom Jugendrat.

Dass es bei den in seiner Amtszeit angestoßenen Verkehrsprojekten, insbesondere Radwegesanierung, Nachtbuskonzept und Fahrrad-Reparaturstationen, nicht wirklich voran geht, nahm man im Jugendrat mit Unverständnis zur Kenntnis. Das Gremium regte an, die Verwaltung solle der Personalknappheit mit einer attraktiveren Ausgestaltung von offenen Stellen begegnen.

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