Ratingen. Was verbindet einen Edelstahlhändler, eine Bildungsinitiative und einen der größten Radiologie-Konzerne Europas? Am 27. Mai hatte die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Ratingen die Antwort darauf: ein gelungener Abend, der zeigte, wie breit das Themenspektrum ist, das den Mittelstand bewegt.

Gastgeber war die HW-INOX GmbH an der Robert-Zapp-Straße – ein Ratinger Unternehmen, das auf seinem Gelände rund 14.000 Tonnen Edelstahl für den europäischen Just-in-Time-Markt bereithält. Nach einer Führung durch die Hallen bot das Unternehmen den Rahmen für zwei Vorträge, die unterschiedlicher kaum hätten sein können – und doch ein gemeinsames Thema hatten: gesellschaftliche Herausforderungen, die unternehmerisches Denken brauchen.
Frau Devasia-Demming von der Allianz Bildung & Lernen e.V. eröffnete den Abend mit einem Einblick in eine Debatte, die häufig zu abstrakt geführt wird. Sprachliche Defizite seien in Teilen der Gesellschaft längst keine Randerscheinung mehr – sie beeinträchtigten Teilhabe, Zusammenhalt und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gleichermaßen. Ihr Appell war klar: Wer das ändern will, kann nicht allein auf die Politik warten. Die Allianz Bildung & Lernen macht es vor – mit rund 200 ehrenamtlich engagierten Menschen, die in Ratingen Bildungs- und Förderprogramme tragen. Der Zuspruch aus dem Publikum war groß, mehrere Unternehmen sagten noch am Abend ihre Unterstützung zu.
Dr. Christian Martini brachte im zweiten Vortrag eine andere Perspektive mit. Aus einer regionalen radiologischen Gemeinschaftspraxis wurde unter seiner Mitverantwortung einer der größten Radiologie-Konzerne Europas – eine Entwicklung, die er offen und reflektiert schilderte. Fachkräftemangel, Bürokratie, Investitionsdruck und Nachfolgeprobleme: die Herausforderungen, die er für das Gesundheitswesen beschrieb, klangen vielen im Raum vertraut. Und sein Fazit – dass Kooperationen und kluge Strukturen mehr bewegen können als Einzelkämpfertum – fand erkennbar Anklang.
Hanno Paas, Vorsitzender der MIT Ratingen, zieht ein positives Fazit des Abends: „Ratingen hat eine starke Unternehmerschaft und eine engagierte Stadtgesellschaft. Wenn wir beides zusammenbringen und ins Gespräch bringen, entstehen Verbindungen, die über den Abend hinaus wirken.“
Thorsten Huch, stellvertretender Vorsitzender, ergänzt: „Bildung und Gesundheit sind keine Nebenthemen für die Wirtschaft – sie sind zentrale Standortfaktoren. Es ist genau die Aufgabe der MIT, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und den Austausch darüber zu fördern.“
Die MIT Ratingen setzt mit dem Quartalstreffen ihre Reihe regelmäßiger Veranstaltungen fort, bei denen wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Themen zusammenkommen.

