Unterbringungsreserve für Geflüchtete in Ratingen

Ratingen. Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Ratingen setzt sich für eine langfristige und vorausschauende Planung bei der Unterbringung von Geflüchteten ein. Für die Sitzung des Sozialausschusses am 25. Juni 2026 hat die Fraktion deshalb einen Antrag eingebracht, mit dem die Verwaltung beauftragt werden soll, Möglichkeiten zum Aufbau beziehungsweise Ausbau einer strategischen Unterbringungsreserve zu prüfen.

Nach Auffassung der SPD hat sich die Ausgangslage in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während die Stadt lange Zeit von den auf die kommunale Aufnahmeverpflichtung angerechneten Kapazitäten der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Tiefenbroich sowie der Notunterkunft in Breitscheid profitieren konnte, fallen diese Entlastungseffekte zunehmend weg.

„Die Unterbringung von Geflüchteten ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Deshalb dürfen wir nicht erst handeln, wenn die nächste Krise bereits vor der Tür steht. Wir müssen jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit Ratingen auch künftig handlungsfähig bleibt“, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Wiglow.

Wie aus den bisherigen Berichten der Verwaltung hervorgehe, sei der bisherige Puffer durch die Schließung der ZUE Tiefenbroich weitgehend aufgebraucht. Bereits heute müsse die Stadt mit zusätzlichen Zuweisungen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz rechnen.

„Die Asylzahlen sind aktuell rückläufig. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Niemand kann jedoch garantieren, dass diese Situation dauerhaft anhält. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich internationale Krisen auf die kommunale Ebene auswirken können“, so Wiglow weiter.

Die SPD verweist darauf, dass fehlende Reservekapazitäten in der Vergangenheit bereits zu erheblichen Herausforderungen geführt hätten. Kurzfristig geschaffene Unterbringungsmöglichkeiten seien oftmals mit höheren Kosten verbunden und erschwerten eine geordnete Integration.

„Wenn wir nicht rechtzeitig vorsorgen, drohen erneut Notlösungen, die für die betroffenen Menschen ebenso belastend sind wie für Schulen, Kitas, Nachbarschaften und die Verwaltung. Eine strategische Reserve schafft Planungssicherheit und verhindert hektisches Krisenmanagement“, betont Wiglow.

Mit ihrem Antrag fordert die SPD, dass die Verwaltung darlegt, wie eine solche Reserve dimensioniert und konzipiert werden könnte und welche finanziellen Mittel hierfür erforderlich wären. Die Ergebnisse sollen möglichst noch im vierten Quartal 2026, spätestens jedoch vor den Haushaltsberatungen für die Jahre ab 2028 vorgelegt werden.

Für die Sozialdemokraten steht dabei nicht nur die Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen im Vordergrund, sondern auch ein verantwortungsvoller Umgang mit kommunalen Ressourcen.

„Wer frühzeitig plant, spart am Ende Geld und vermeidet gesellschaftliche Konflikte. Unser Ziel ist eine wirtschaftliche, sozialverträgliche und integrationsfördernde Lösung, die Ratingen für zukünftige Entwicklungen besser vorbereitet“, fasst Wiglow zusammen.

Die SPD-Fraktion sieht in der verbleibenden Zeit bis zum Wegfall beziehungsweise zur Veränderung bisher anrechenbarer Unterbringungskapazitäten die Chance, die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfeste Unterbringungsstrategie zu stellen.