Vom Selbstzweifel zum Ausbildungsplatz

Ratingen. Wie wichtig Motivation, Unterstützung und Durchhaltevermögen für den eigenen Bildungsweg sein können, zeigt die Geschichte von Samira Johnen eindrucksvoll. Die junge Frau ist inzwischen in der Ausbildung zur Pflegefachassistentin im Altenzentrum Haus Salem. Auf dem Weg dorthin war das Schulabschlussprojekt BOJE (Berufsorientierung für junge Erwachsene) ein ganz wichtiger Meilenstein für sie. Die BOJE bietet seit über 20 Jahren als Kooperation zwischen der VHS Ratingen und der SkF Arbeit und Integration Ratingen gGmbH jungen Menschen die Möglichkeit, ihren (erweiterten) ersten Schulabschluss (früher Hauptschulabschluss) auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen.

Seit über 20 Jahren können Schülerinnen und Schüler in der BOJE ihren Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachholen.

Im Gespräch erzählt Samira, wie ihr die Zeit an der BOJE geholfen hat, ihren Weg zu finden und an sich selbst zu glauben. „Ich war vorher auf einer Förderschule, wollte aber unbedingt meinen Schulabschluss machen“, berichtet Samira. „Ich hatte nur große Zweifel, ob ich das schaffen kann.“ 2023 hat sie dann in der Klasse 9 der BOJE begonnen. Ursprünglich habe sie sich auch nur den Abschluss nach Klasse 9 zugetraut. „Die 10. Klasse erschien mir damals zu schwer.“

Die Zeit in der BOJE wurde für sie dann aber zu einem Wendepunkt. „Alle haben mich dort total unterstützt und motiviert“, erzählt sie. Besonders betont sie die Atmosphäre der Schule: „In der BOJE ist es anders als an anderen Schulen. Alle haben mehr Zeit für einen. Selbst die Lehrkräfte haben sich Zeit genommen, wenn ich Probleme hatte.“

Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Sozialpädagoginnen, die die Schülerinnen und Schüler der BOJE begleiten. „Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich und haben mich motiviert, weiterzumachen und an mich zu glauben.“ Gerade in schwierigen Momenten habe sie viel Unterstützung erfahren. „Immer wenn ich an mir gezweifelt habe und dachte, dass ich es nicht schaffe, war da jemand, der mir Mut gemacht hat.“

Schließlich wagte Samira auch den Schritt in die 10. Klasse – eine Herausforderung, besonders im Fach Mathematik. „Das war für mich wirklich schwer“, sagt sie offen. Geholfen hätten ihr individuelle Lernaufgaben und auch die Unterstützung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. „Wir haben zusammen gelernt. Das war eine tolle Zeit.“

Einen wichtigen Schritt für ihre Zukunft hat Samira im Rahmen der obligatorischen Praktika gemacht. Eins hat sie im Altenzentrum Haus Salem absolviert. „Dort hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe direkt ein Ausbildungsangebot bekommen.“ Mit der Zusage, nach dem Abschluss dort anfangen zu können, ging Samira bestärkt in die Prüfungen – und hat bestanden. Seit letztem Sommer ist sie nun Auszubildende im Haus Salem.

Neben den schulischen Erfolgen hat Samira vor allem persönlich viel gelernt. „In der BOJE habe ich gelernt, an mich zu glauben – auch wenn es sonst nicht viele Menschen im Leben gibt, die das tun.“ Eine wichtige Veränderung sei für sie gewesen, ihre eigene Stimme zu finden: „Ich habe gelernt, zu sagen, was ich brauche und was mir wichtig ist. Früher habe ich mit niemandem darüber gesprochen.“ Heute merkt sie, wie gut ihr das tut. Die BOJE war Samira also mehr als nur eine Schule. Deshalb hat sie eine klare Empfehlung für andere junge Menschen: „In der BOJE kommt man wirklich weiter. Man kann hier ganz viel erreichen.“

Nach den Sommerferien startet das nächste Schuljahr. Wer sich für die BOJE interessiert, kann gerne einen Termin zur persönlichen Information, Beratung und Anmeldung beim Lehrgangsteam unter Telefon 02102 550-4320 vereinbaren (E-Mail boje@skf-ratingen.de).