Zeitkapsel mit Zukunftsvisionen von Kindern versenkt

Ratingen. Wenn eine Stadt es geschafft hat, 750 Jahre alt zu werden, richtet sich der Blick auch nach vorn. Wie wird Ratingen wohl in der Zukunft aussehen, sagen wir in 50 Jahren? Diese Frage stand im Mittelpunkt der „Zeitkapsel“-Aktion im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten für Grundschulkinder. Am 17. Juni wurde die Zeitkapsel mit den Visionen der Kinder und ein paar Zeitdokumenten im Boden des Marktplatzes versenkt und versiegelt. Eine Bronzeplatte darauf zeigt an, wann der Boden und die Kapsel wieder geöffnet werden dürfen: 2076.

Die Kapselversenkung fand gleich im Anschluss an die Kranzniederlegung zu Ehren der Opfer des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 statt, und damit in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgesellschaft. Bürgermeister Patrick Anders schlug eine gedankliche Brücke von den Ereignissen von 1953 zur Gegenwart mit ihren eingetrübten Zukunftserwartungen. „Vor 73 Jahren sind Menschen unter Gefahr für Leib und Leben für Freiheit und Demokratie aufgestanden“, sagte Anders. „Das sollte uns eine Mahnung sein, vor allem denjenigen unter uns, die, weil sie es nicht anders gewohnt sind, glauben, diese Werte seien selbstverständlich. Doch Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind keine Naturgesetze. Sie müssen immer wieder aufs Neue errungen und unentwegt verteidigt werden.“

Auf dem Marktplatz lasen einige Kinder der Erich-Kästner-Schule und der Johann-Peter-Melchior-Schule ihre Visionen für die Zukunft vor. Die beschriebenen Blätter wurden dann in die Zeitkapsel eingerollt, zusammen mit einer Tageszeitung vom 17. Juni, einem Protokoll der letzten Ratssitzung (damit die Menschen im Jahr 2076 eine Vorstellung bekommen, mit welchen Themen sich Ratingen im Mai 2026 befasste) und ein paar Accessoires des 750-jährigen Stadtjubiläums.

Dann wurde der Deckel der Edelstahl-Kapsel fest verschraubt und die Kapsel wurde in ein passendes Kunststoffrohr versenkt, welches das städtische Tiefbauamt bereits im Vorfeld in ein vorbereitetes Bodenfeld neben dem Löwenbrunnen gesetzt hatte. Dann wurde auch das Rohr verschlossen, um ganz sicher zu gehen, dass die Kapsel das kommende halbe Jahrhundert trocken übersteht. Schließlich wurde das Feld mit einer gravierten Bronzeplatte bedeckt, aus der hervorgeht, was da unten lagert und wann die Beton-Versiegelung der Platte aufgebrochen werden darf.

Bürgermeister Patrick Anders ermunterte die Kinder, den Termin der Kapselöffnung in 50 Jahren im Blick zu behalten. „Es wäre doch toll, wenn ihr dann als ältere Erwachsene wieder hier steht und euch daran erinnert, wie ihr euch 2026 die Zukunft vorgestellt habt.“ Der Bürgermeister lobte die Kinder angemessen dafür, wie viele kluge Gedanken sie sich über die Ausgestaltung der Zukunft gemacht haben. Allzu viel soll darüber an dieser Stelle nicht verraten werden, denn die Dokumentation liegt ja streng versiegelt in der Zeitkapsel. Nur so viel: Es hatte viel mit Robotern zu tun.