Plötzlich mittendrin

Als Niklas Lietz am vergangenen Mittwochmorgen durch die Sicherheitsschleuse des Paul-Löbe-Hauses tritt, rauscht ein Tross von Abgeordneten an ihm vorbei. Mitarbeiter telefonieren im Laufschritt, Kamerateams bauen ihre Stative auf: Es ist der Tag der Ausschüsse. „Da merkt man sofort: Hier passiert wirklich etwas“, sagt der 20-Jährige. Zwei Wochen lang hat der Student aus Ratingen im Berliner Abgeordnetenbüro des CDU-Außenpolitikers Peter Beyer hospitiert und dabei einen Blick hinter die Kulissen des Bundestages werfen dürfen, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, wenn überhaupt. Er hatte das Glück, dass er zwei Sitzungswochen erleben konnte.

(v. l.): Peter Beyer MdB, Praktikant Niklas Lietz

Besonders eindrucksvoll war für ihn der Moment, als er Dienstagsnachmittag den Sitzungssaal der Unionsfraktion betreten durfte. „Plötzlich standen da die ranghöchsten Politiker des Landes“, erzählt er. Unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU-Fraktionschef Jens Spahn und Außenminister Johann Wadephul. „Faszinierend war vor allem der ganze Trubel drumherum. Nicht nur die Abgeordneten, sondern auch unzählige Mitarbeiter und Journalisten. Das war beeindruckend.“

Doch das Praktikum bestand nicht nur aus politischem Tagesgeschäft. Eine Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen hinterließ bei Lietz einen bleibenden Eindruck. Besonders bewegend sei gewesen, dass ehemalige Insassen selbst durch die Anlage führten. „Ihre Schilderungen waren unglaublich eindringlich“, sagt er. Eine echte Lehrstunde in deutsch-deutscher Geschichte, so der Student.

Auch Diskussionsrunden mit Abgeordneten standen auf dem Programm. Viele nahmen sich Zeit für die Fragen der Praktikanten. „Das Gespräch mit Pascal Reddig, dem Vorsitzenden der Jungen Gruppe der Union, war besonders spannend, weil er die Perspektive eines jungen Politikers eingebracht hat“, erzählt Lietz. Dazu kamen Führungen etwa durch das Berliner Abgeordnetenhaus.

Sein Arbeitsplatz in den zwei Wochen seines Praktikums lag im Paul-Löbe-Haus, direkt zwischen Kanzleramt und Reichstagsgebäude. Für Lietz ein Erlebnis für sich: „Mit dem eigenen Hausausweis morgens durch die Tunnel zu gehen, die die Gebäude des Bundestags verbinden, das war schon etwas Besonderes.“ Selbst beim Mittagessen oder im Fahrstuhl sei er Politikern begegnet, die er sonst nur aus dem Fernsehen kenne. „Ich habe Einblicke bekommen, die ich sonst nie bekommen hätte.“

Am Ende steht für ihn fest: Ein Praktikum im Bundestag kann er jedem empfehlen, der Politik einmal hautnah erleben möchte. Bewerben können sich Interessierte direkt bei den Abgeordneten.