Ratingen. „Dies war eine großartige Begegnung“, resümierte Bürgermeister Patrick Anders. „Unsere mehr als 80 Gäste aus Süd-Dakota haben unser Stadtleben in der letzten Woche aufs Angenehmste bereichert. Ich danke insbesondere den Verantwortlichen am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und unserer Musikschule, die sich mit großer Kreativität und ebenso großem Einsatz eingebracht haben, um unseren Gästen einen unvergesslichen Aufenthalt in Ratingen zu bereiten.“

Die große Besuchergruppe aus der US-Partnerstadt Vermillion bestand aus Schülerinnen und Schüler, die an einem Austausch mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium teilnehmen, einer offiziellen Delegation um Bürgermeister Kevin O’Kelley und um Musiker, vor allem von der University of South Dakota mit Sitz in Vermillion. Sie alle waren einer Einladung von Patrick Anders aus dem Vorjahr gefolgt, die dieser am Rande eines turnusmäßigen Schulaustauschs zwischen dem DBG und der Vermillion Highschool ausgesprochen hatte.
Am 9. Juli kamen die meisten in Ratingen an. Aber nicht alle. Die Austauschschüler waren bereits eine Woche zuvor angereist, während eine Gruppe von knapp 20 Reisenden zunächst in Amsterdam strandete und statt mit dem schnellen Anschlussflug erst mit dem Nachtzug weiterfahren konnte. Diejenigen, die schon da waren, begrüßte Bürgermeister Anders im Rathaus und lud sie im Anschluss an einen ersten Stadtspaziergang zum Abendessen im Bürgerhaus ein. Dort kamen sie bei Temperaturn um 30 Grad erstmals in Berührung mit dem Ratinger Winterbrauchtum: Beim kurzen Live-Auftritt von Heinz Hülshoff lernten sie schon am ersten Abend, wie Schunkeln geht.
Am Samstag ging das gleich weiter. Die Stadt hatte den „Brauchtumsbus“ des Karnevalsausschusses gechartert, einen umdekorierten ehemaligen Linienbus, mit dem normalerweise die Ratinger Karnevalsformationen während der Session von Termin zu Termin chauffiert werden. Die Nichtmusiker unter den Amerikanern, die nicht aktiv ins Konzertgeschehen eingebunden waren und für das Festkonzert am 14. Juli proben mussten, unternahmen am Samstagvormittag im „Fun Bus“ eine Stadtrundfahrt – um auch einmal die schönen Ecken von Ratingen zu sehen, die fußläufig von der Innenstadt aus nicht so gut erreichbar sind.
Beim offiziellen Empfang am Samstagabend im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, war auch Alexandra Shema zu Gast, die Vize-Generalkonsulin der USA in Düsseldorf. Sie betonte, wie wichtig die persönlichen Begegnungen für die Verständigung der Menschen über Grenzen hinweg sind, insbesondere dann, wenn es auf politischer Ebene nicht ganz einfach sei. Uwe Florin, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums erinnerte an einen lateinischen Schriftzug auf Dollarscheinen: „E pluribus unum“ („Aus vielen, eins“), das kürzest mögliche Manifest für Einigkeit unter den Menschen.

Patrick Anders äußerte sich ähnlich in seiner auf Englisch vorgetragenen kurzen Rede. Er nahm Bezug auf die Süd-Dakota-Brücke in Ratingen, die 1983 fertiggestellt wurde, im selben Jahr, in dem auch die offizielle Partnerschaft zwischen Ratingen und Vermillion begann. „Eine Brücke eignet sich indes nicht nur deshalb so gut für eine dauerpräsente Würdigung, weil sie täglich von Tausenden Menschen benutzt wird“, sagte Anders. „Sie symbolisiert auch unsere Partnerschaft geradezu perfekt. Denn es ist ja das Wesen einer Städtepartnerschaft, dass sie Entfernungen überbrückt, dass sie Trennendes überwindet.“
Vermillions Bürgermeister Kevin O’Kelley hatte Gastgeschenke mitgebracht: zwei Feuerwehrhelme der Fire Fighters von Vermillion sowie ein gerahmtes Bild mit Kunst der Oglala-Indianer, die in Süd-Dakota leben. Schließlich überreichte O’Kelley eine gerahmte Urkunde, deren Text er (auf Deutsch) vorlas. Es handelte sich um eine Bekräftigung der Städtepartnerschaft mit Ratingen und war, so O’Kelley, seine erste Amtshandlung als Bürgermeister. Denn er war erst wenige Wochen zuvor gewählt und erst am Montag vor der Reise vereidigt worden.
Weitere Highlights folgten. Am 12. Juli bereicherten die gut gelaunten Gäste aus Vermillion das große Festmahl auf dem Stadionring. Vier Musikprofessoren hatten zuvor schon eine Wecktour der besonderen Art durch Ratingen absolviert. Mit Alphörnern, ihrem Hobby, riefen sie an verschiedenen Orten der Stadt die Leute zum Festmahl. Unvergesslich für viele, die dabei waren, war natürlich das große Festkonzert am 14. Juli in der Stadthalle. Und, man mag es kaum glauben angesichts dieses Programms, es blieb auch noch Zeit für ein paar Ausflüge außerhalb von Ratingen – nach Koblenz, Köln und Düsseldorf. Am Donnerstag fand die ereignisreiche Reise ein Ende.

