„Neue Mitte Tiefenbroich“ Bürgerwillen umsetzen

Die Bürger-Union Ratingen will die Chance nutzen, nach dem Rückbau des Gebäudes an der Sohlstättenstraße 26c einen echten Mittelpunkt für Tiefenbroich zu schaffen. Die Fraktion fordert deshalb im Bezirksausschuss Tiefenbroich, die frei gewordene Fläche zu einer „Neuen Mitte Tiefenbroich“ zu entwickeln und dabei die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung verbindlich zur Grundlage der weiteren Planung zu machen.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben klar formuliert, was sie sich für ihre neue Mitte wünschen. Jetzt muss die Politik den Mut haben, diesen Bürgerwillen auch umzusetzen“, erklärt Ratsmitglied Edgar Mählmann, der den Antrag gemeinsam mit dem sachkundigen Bürger Eibo Neutzler eingebracht hat. „Es darf nicht bei einer Bürgerveranstaltung bleiben, deren Ergebnisse anschließend in der Verwaltung verschwinden.“

Im Mittelpunkt der Planung soll nach den Vorstellungen der Bürger-Union ein multifunktionaler Platz stehen. Wochen- und Weihnachtsmärkte, Stadtteilfeste, Vereinsveranstaltungen und andere öffentliche Veranstaltungen sollen dort künftig möglich sein. Gleichzeitig soll ein grüner Treffpunkt mit Bäumen, Pflanzflächen und Sitzgelegenheiten entstehen, der zum Aufenthalt und zur Begegnung einlädt.

„Wir wollen keinen Platz, der nur auf einem Plan gut aussieht. Wir wollen einen Ort, an dem etwas passiert“, sagt Eibo Neutzler. „Märkte, Feste und Vereinsveranstaltungen bringen Leben in einen Stadtteil und schaffen Begegnungen. Gleichzeitig brauchen die Menschen einen attraktiven, grünen Ort, an dem sie sich gerne aufhalten.“

Damit die Fläche tatsächlich dauerhaft als Veranstaltungsort genutzt werden kann, fordert die Bürger-Union, die notwendige Infrastruktur bereits jetzt in die Planung einzubeziehen. Dazu gehören insbesondere eine belastbare Platzfläche, Strom- und Wasseranschlüsse, geeignete Zufahrten für Anlieferung und Rettungsdienste sowie eine ausreichende Beleuchtung.

„Wenn die Stadt heute plant, muss sie auch an die Nutzung von morgen denken“, so Mählmann. „Es wäre völlig falsch, zunächst einen Platz zu bauen und anschließend für viel Geld nachzubessern, weil wichtige Voraussetzungen für Märkte und Veranstaltungen fehlen.“

Die Bürger-Union regt außerdem an, an der west-nordwestlichen Seite des Grundstücks die Möglichkeit für ein kleines Café zu prüfen. Dieses solle das bestehende gastronomische Angebot „Zum Fäßchen“ ausdrücklich nicht ersetzen oder verdrängen, sondern ergänzen – beispielsweise mit Frühstück, Kaffee und Kuchen.

„Wir wollen bestehende Angebote nicht gegeneinander ausspielen. Ein zusätzliches Café könnte aber dazu beitragen, dass die neue Mitte auch außerhalb von Veranstaltungen ein attraktiver Treffpunkt wird“, erklärt Neutzler. Ob ein solches Angebot wirtschaftlich tragfähig ist, müsse im weiteren Planungsverfahren geprüft werden.

Für die Bürger-Union gehört auch eine nachhaltige Lösung für Regenwasser und Starkregenvorsorge von Anfang an zur Planung. Die Fraktion unterstützt deshalb die Überlegung, auf dem Grundstück ein unterirdisches Regenrückhaltebecken vorzusehen und das Wasser unter der Autobahn abzuleiten. Nach Möglichkeit soll das aufgefangene Regenwasser zugleich für die Bewässerung der Bäume und Pflanzflächen genutzt werden.

„Wenn wir eine neue Mitte planen, dürfen wir Klimaanpassung nicht als nachträgliches Zusatzthema behandeln“, betont Fraktionsvorsitzender Rainer Vogt. „Wir können hier Stadtentwicklung, Begrünung und Starkregenvorsorge miteinander verbinden. Regenwasser zurückzuhalten und anschließend für die Bewässerung zu nutzen, ist ökologisch sinnvoll und kann langfristig auch Kosten reduzieren.“

Die Bürger-Union fordert zudem, mögliche Fördermittel von Bund und Land frühzeitig zu prüfen und in die Finanzierung einzubeziehen. Insbesondere Programme aus den Bereichen Städtebau, Klimaanpassung und Starkregenvorsorge könnten dazu beitragen, die Belastung des städtischen Haushalts zu begrenzen.

„Angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt kann es nicht darum gehen, einfach nur eine Wunschliste aufzustellen“, sagt Vogt. „Wir wollen eine vernünftige Planung, eine realistische Kostenschätzung und ein belastbares Finanzierungskonzept. Gleichzeitig darf die schwierige Haushaltslage nicht zum Vorwand werden, um den Bürgerwillen auf die lange Bank zu schieben.“

Für die Bürger-Union ist entscheidend, dass die Bürgerbeteiligung nicht nur symbolischen Charakter hat. „Bürgerbeteiligung bedeutet nicht, dass man die Bürger fragt und anschließend doch etwas anderes macht“, stellt Vogt klar. „Wenn die Menschen vor Ort ihre Vorstellungen einbringen, müssen diese auch erkennbar in die politischen Entscheidungen einfließen. Genau dafür steht unser Antrag.“

Die Bürger-Union beantragt daher, dem Bezirksausschuss Tiefenbroich einen konkreten Planungsentwurf für die „Neue Mitte Tiefenbroich“ einschließlich Kostenschätzung, Finanzierungsmöglichkeiten und Zeitplan zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.

Die Bürger-Union will damit frühzeitig die politische Richtung festlegen: Aus der frei gewordenen Fläche soll keine beliebige Restfläche werden, sondern ein lebendiger Mittelpunkt für Tiefenbroich – von den Bürgerinnen und Bürgern gewünscht und für die Zukunft des Stadtteils geplant