SPD-Fraktion und Ratinger SPD wollen die Ausstellung über die Stolpersteine in Ratingen neu auflegen und um die seit 2014 hinzugekommenen Biografien ergänzen. Dabei soll die Stadt insbesondere mit dem Stadtarchiv, Schulen und örtlichen Initiativen zusammenarbeiten. Auch eine Kooperation mit dem Jüdischen Kulturverein Schalom soll geprüft werden, der im kommenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.
Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Ratingen beantragt, die im Jahr 2014 gezeigte Ausstellung über die Ratinger Stolpersteine erneut öffentlich zu präsentieren und inhaltlich zu aktualisieren. Seit der ursprünglichen Ausstellung sind weitere Stolpersteine hinzugekommen. Diese und die Lebensgeschichten der Menschen, an die sie erinnern, sollen in die Neuauflage aufgenommen werden.
„Stolpersteine sind keine abstrakten Gedenkorte. Sie erinnern mitten in unseren Straßen an Menschen, die in unserer Stadt gelebt haben, Nachbarn waren, Familien hatten und Teil der Ratinger Gesellschaft waren. Hinter jedem Stein steht eine persönliche Geschichte. Diese Geschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, erklärt Christian Wiglow, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Ratingen.
Die ursprüngliche Ausstellung entstand im Zusammenhang mit einem Projektkurs der Martin-Luther-King-Gesamtschule und stellte die Lebensgeschichten der Ratinger Opfer des Nationalsozialismus in den Mittelpunkt. Aus Sicht der SPD bietet eine Neuauflage die Chance, diese wichtige Erinnerungsarbeit fortzuführen und zugleich neue Generationen einzubeziehen.
Pat Faßbender-Kreß, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ratingen, betont die Bedeutung der Erinnerung vor Ort: „Erinnerungskultur funktioniert dann besonders gut, wenn sie einen konkreten Bezug zum eigenen Wohnort und zum eigenen Lebensumfeld hat. Die Stolpersteine machen deutlich, dass die nationalsozialistische Verfolgung auch hier in Ratingen stattgefunden hat. Wir wollen, dass die Menschen hinter den Steinen sichtbar bleiben und ihre Geschichten weitererzählt werden.“
Die SPD regt deshalb ausdrücklich an, bei der Aktualisierung des Projekts das Stadtarchiv Ratingen, Ratinger Schulen sowie örtliche Vereine und Initiativen einzubeziehen. Besonders geprüft werden soll eine Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Kulturverein Schalom, der im kommenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Die Ausstellung soll möglichst an einem gut zugänglichen öffentlichen Ort gezeigt und nach Möglichkeit durch Führungen, Gesprächsangebote oder Angebote für Schulen ergänzt werden.
„Gerade für junge Menschen kann eine solche Ausstellung einen ganz anderen Zugang zur Geschichte schaffen. Wenn aus einem Namen auf einem Stolperstein eine Lebensgeschichte wird, wird Geschichte greifbar und verständlich. Deshalb wünsche ich mir, dass die Ausstellung nicht nur gezeigt wird, sondern auch zum Austausch und zur Auseinandersetzung einlädt“, sagt Manuela Höbler, Ratsfrau und Mitglied des Kulturausschusses.
Die SPD sieht in dem Projekt zugleich ein wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. „Angesichts antisemitischer und rassistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft ist es wichtiger denn je, die Erinnerung wachzuhalten. Eine aktualisierte Stolperstein-Ausstellung kann dazu beitragen, die Geschichte der verfolgten und ermordeten Ratingerinnen und Ratinger dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein zu halten“, so Wiglow.
Die Stadt Ratingen verfügt bereits über umfangreiche Materialien zur jüdischen Geschichte und zu den Stolpersteinen. Diese sollen für die erneute Ausstellung genutzt, um die seit 2014 hinzugekommenen Biografien ergänzt und möglichst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Faßbender-Kreß fasst das Anliegen zusammen: „Wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern Erinnerung lebendig halten. Die Menschen, an die die Stolpersteine erinnern, gehören zur Geschichte unserer Stadt. Ihre Namen und ihre Geschichten sollen auch in Zukunft einen festen Platz in Ratingen haben.“

