Wirtschaftliche Erholung im Kreis Mettmann nimmt langsam Fahrt auf

Die Stimmung der Wirtschaft im Kreis Mettmann hat sich deutlich verbessert, nachdem sich die Wintermonate durch die zur Pandemie-Bekämpfung verschärften Einschränkungen zunächst schwierig gestalteten. „Auch zeigen sich die Betriebe für das weitere Jahr etwas zuversichtlicher als noch zu Jahresbeginn“, beschreibt Gerd Helmut Diestler die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage für den Kreis Mettmann aus der zweiten Aprilhälfte. 170 Betriebe mit zusammen rund 15.500 Beschäftigten haben sich an dieser Blitzumfrage beteiligt.

Positive Stimmen in allen Wirtschafszweigen

Über eine gute Geschäftslage berichten aktuell 36 Prozent aller Betriebe und nur 14 Prozent über eine schlechte. Der Saldo beider Angaben („Lage-Index“) ist damit in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Und zwar auf jetzt +22 Punkte nach zu Jahresbeginn nach -2 Punkten. „Dabei überwiegen wieder in sämtlichen Wirtschaftsbereichen die zufriedenen Stimmen“, freut sich der IHK-Konjunkturexperte. Allerdings stehen hinter den jeweiligen Branchenbildern teils erhebliche Unterschiede, abhängig davon, wie stark für die jeweilige Sparte der Geschäftsbetrieb eingeschränkt ist. So ist den kontaktintensiven Dienstleistern der Publikumsverkehr weiterhin meist untersagt. Auch für Einzelhändler außerhalb der Grundversorgung gelten starke Einschränkungen.

Vor-Corona-Niveau nicht vor nächstem Jahr

„Trotz dieses Aufwärtstrends dürfte sich die Rückkehr zum wirtschaftlichen Vor-Corona-Niveau weiter hinauszögern, und zwar auf mindestens das nächste Jahr“, dämpft Diestler allzu große Euphorie. Dieser Ansicht ist jetzt mehr als die Hälfte aller Betriebe. Zu Jahresbeginn waren es erst rund 40 Prozent. Diese skeptischere Einschätzung gilt für alle Wirtschaftsbereiche, wobei sich dahinter ebenfalls erhebliche Sparten-Unterschiede verbergen. So erlauben die in den letzten Tagen auf den Weg gebrachten Öffnungsperspektiven zwar demnächst wieder ein allmähliches Hochfahren. „Damit ist in vielen Fällen aber keineswegs schon eine normale Geschäftstätigkeit möglich. Kapazitätsschranken, Hygieneauflagen, test- oder impfungsabhängige Zugangsbeschränkungen und die Unsicherheit über dauerhaft niedrige Inzidenzzahlen verhindern dieses in den kontaktintensiven Branchen wahrscheinlich noch auf Monate“, gibt Diestler zu bedenken.

Industrie profitiert vom außereuropäischen Ausland

Aus ihrem tiefen Absturz im ersten Corona-Jahr immer weiter herausgearbeitet hat sich nun auch die verarbeitende Industrie. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie überwiegen wieder ihre positiven Lageeinschätzungen. Vor allem bei den für den Kreis Mettmann strukturbestimmenden Produzenten von Vorleistungsgütern (Zulieferindustrie) ist der positive Umschwung erheblich: Der Lage-Index steigt nun auf +18 Punkte nach zuvor 25 Punkten. Die vor drei Tagen vom Statistischen Landesamt veröffentlichten industriellen Umsatzzahlen zeigen gerade für das Neanderland einen kräftigen Schub. Das Plus von 10 Prozent bei den Inlands- und sogar um 18 Prozent bei den Auslandsumsätzen ist im Vorjahresvergleich allerdings auch noch von der damaligen Automobilkrise beeinflusst. Für den weiteren Jahresverlauf hoffen die Industriebetriebe darauf, dass mit zunehmenden Erfolgen bei der Pandemie-Bekämpfung auch die europäische Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt.

Auch der Einzelhandel zeigt sich im Neanderland nicht so unzufrieden, wie seine Branchenkollegen in anderen Regionen. Dies ist zum einen auf die vielen Rückmeldungen geöffneter Grundversorger zurückzuführen. Zum anderen kann der örtliche Einzelhandel teilweise auch die Nachfrage vieler Beschäftigter in Homeoffice oder Kurzarbeit und mangels Einkaufserlebnissen in den Ballungszentren nun besser vor Ort binden.

Risiko Energie- und Rohstoffpreise

Auch wenn insgesamt die Zeichen auf eine stabile und sich allmählich beschleunigende Konjunkturerholung stehen, durch die aktuelle Entwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten drohen schon sehr früh in dieser Konjunkturphase nicht zu vernachlässigende Risiken. Der Anstieg der Erzeugerpreise hat sich in diesem Jahr bereits erheblich beschleunigt, meldet das Statistische Bundesamt. Im März lagen sie um 8 Prozent über dem – noch nicht von Corona beeinflussten – Vorjahresstand. Ursache sind die höheren Strom- (+10 Prozent) und Erdgaspreise (+18 Prozent). Jeder dritte Industriebetrieb im Neanderland sieht hierdurch ein gravierendes Risiko für den weiteren wirtschaftlichen Erholungsprozess.

Noch stärker sind ihre Sorgen über die Rohstoffversorgung und -preise. Für die Rekordhöhe von zwei Dritteln aller verarbeitenden Betriebe liegt hierin ein besonderes Geschäftsrisiko. Die hohe Nachfrage vor allem aus dem boomenden ostasiatischen Raum, aber auch der weiter stark nachfragenden Bauwirtschaft, führt aktuell zu Knappheiten bei metallischen und hölzernen Rohstoffen sowie entsprechenden Vorprodukten. Das hat zu den enormen Preissteigerungen geführt. Zusätzlich sind weltweit derzeit Container und auch IT-Speichermodule knapp, was etwa in der Kfz-Industrie trotz einer hohen Nachfrage sogar zu zeitweisen Produktionseinschränkungen führt. „Alles in allem ist die Industrie im Neanderland dennoch zuversichtlich, dass der Aufholprozess dadurch nicht abgewürgt wird“, betont Diestler. Allerdings dürfte sein Tempo zunächst weiter nur verhalten bleiben.

Investitions- und Beschäftigungspläne wieder leicht positiv

Die Auslastung der Maschinen und Anlagen im Kreis Mettmann ist seit Jahresbeginn beschleunigt um rund 4 Punkte angestiegen und nähert sich damit wieder ihrem langjährigen Durchschnitt an. Obwohl dabei noch genügend Spielraum für einen weiteren Produktionsanstieg besteht, beabsichtigt die Wirtschaft allmählich wieder mehr zu investieren. Das ist erstmals seit Beginn der Corona-Krise der Fall. Ebenfalls haben jetzt wieder etwas mehr Betriebe expansive als restriktive Personalpläne.

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